Dienstag, 2. Oktober 2018

good things are coming

Kurz geblinzelt und auf einmal ist es schon Oktober. Das bedeutet der Herbst kommt, das bedeutet das Jahr ist schon wieder fast rum und das bedeutet auch, dass ich schon über einen Monat hier in Vilnius bin.
Und ganz ehrlich? Es kommt mir gar nicht so vor. Einerseits ziehen sich manche Tage wie Kaugummi und sind schier endlos und ich weiß nichts mit mir anzufangen und kann auch am Ende des Tages nicht genau sagen, wie ich es eigentlich vom Aufstehen zum Ins-Bett-Gehen geschafft habe. Aber andererseits passiert auch so viel und alles ist irgendwie aufregend und nach wie vor neu. Gefühlt bin ich irgendwie erst seit zwei Wochen hier, aber wenn ich so zurück denke, dann könnten es auch schon drei Monate sein. Der Druck, jeden Tag etwas zu erleben ist enorm und manchmal frage ich mich, ob ich genug aus der Zeit hier heraus hole, oder ob ich nicht noch viel mehr machen und tun und erleben müsste. Dann denke ich an all die Trips, die ich bis Weihnachten noch machen werde und dann frage ich mich wieder, wie ich dazwischen noch irgendwas für die Uni schaffen soll.
Trotzdem freue ich mich riesig auf diese Abenteuer. Allein diesen Monat werde ich mir noch Kaunas, die ehemalige Hauptstadt von Litauen, ansehen und nach Riga fahren und am Ende für eine Woche nach Russland aufbrechen. Später fahre ich dann noch nach Lappland um endlich mal dem Weihnachtsmann einen persönlichen Besuch abzustatten und hoffentlich die Nordlichter zu sehen.

Jetzt ist es an der Zeit, euch von meinen letzten Wochen zu berichten:

Angefangen hat es mit meinem ersten und vermutlich letzten Wochenende "sturmfrei". Die anderen beiden sind für ein Wochenende ans Meer gefahren und ich bin zurück geblieben, weil mein Streber-Ich ein vermeintlich wichtiges Seminar nicht verpassen wollte. Ich war ehrlich gesagt überrascht von mir selbst, weil es keine zwei Stunden gedauert hat und ich mich einsam gefühlt habe. Für einige mag das sicherlich normal sein, aber ich lebe seit fast zwei Jahren alleine und ich liebe es. Umso überraschter war ich von mir selbst, als ich festgestellt habe, dass es merkwürdig ist, wenn plötzlich niemand mehr da ist, der mit einem redet und man dann doch irgendwie auf sich alleine gestellt ist. Ich war sogar derartig verloren, dass selbst einfache Aufgaben wie Essen zubereiten mich total überfordert haben. Hätte ich nie gedacht.

Nächstes großes Event, zum einen für mich persönlich, weil sportliche Betätigung und zum anderen auch so, weil wirklich cool gewesen: 10km Kajak Tour auf der Neris bis rein in die Innenstadt. Wir hatten unfassbares Glück mit dem Wetter und eine Stadt vom Wasser aus zu sehen, ist immer noch mal ein ganz anderes Erlebnis und Gefühl. Wenn das Ganze dann auch noch mit einer Pizza mit mit Käse gefülltem Rand belohnt wird, dann würde ich schon von einem wirklich guten Tag sprechen.

Und dann: das große Spektakel, das Highlight des Jahres, die once in a lifetime Chance: der Papst höchstpersönlich besucht das Baltikum und macht auch Zwischenstopp in Vilnius. Seit wir hier angekommen sind, wurde uns dieser Tag groß angekündigt, als würden Weihnachten, Ostern und Silvester auf einen Tag fallen. Ich persönlich habe mit der katholischen Kirche nun wirklich nichts am Hut, aber trotzdem hat es mich irgendwie gereizt mir das Spektakel anzusehen. Und, Leute, was war es für ein Aufriss! Die Innenstadt wurde lahm gelegt, überall Zäune und Absperrungen, viiiieeeel zu viele Menschen für meinen Geschmack und schmierige Typen, die Fahnen mit dem Gesicht des Papstes verkauft haben. Er wurde gefeiert wie ein Superstar.
Währenddessen habe ich wieder einmal festgestellt, dass ich durchaus zu Klaustrophobie neige und für größere Menschenmassen einfach viel zu klein bin um nicht andauernd das Gefühl zu haben, gleich verschluckt und erstickt zu werden. Vielleicht hätte ich mir einfach ein Beispiel an den fanatischen Omis nehmen sollen, die einfach die Ellenbogen ausgefahren haben und sich durch die Masse gearbeitet haben. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Faszination an diesem Glauben wird sich mir wohl nie erschließen, aber es ist beeindruckend zu sehen, wie Menschen werden, wenn sie eine Chance haben dem Oberhaupt der katholischen Kirche "nah" zu sein.

Zwischendurch bin ich zu meinen Vorlesungen gegangen, habe meiner Leidenschaft zu Bier und zu Kleidungsstücken mit Streifen gefrönt und mich über die kleinen Dinge des Lebens gefreut, wie zum Beispiel die Tatsache, dass es bei mir in der Mensa Ramen gibt und ich also theoretisch jeden Tag eben diesen essen könnte!

zum Abschluss ein paar Eindrücke in visueller Form:

Blick aus meinem Fenster

wenn der Wald nur einen Spaziergang entfernt ist.. 

Vilnius vom Wasser aus 

der Blick von unten 

der Blick von oben 

besagter Ramen!

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you can't escape yourself.
du kannst wegfahren,
du kannst ausreissen,
du kannst ans andere Ende der Welt ziehen.
aber egal, was du machst und wo du hingehst - du nimmst dich selbst immer mit.
dich selbst mit all deinen Gedanken, deinen Gefühlen, deinen Problemen und deinen Sorgen.
dich selbst mit deinen Hoffnungen, deinen Wünschen, deinen Träumen und deinen Vorstellungen.

das mag im ersten Moment eine ernüchternde Erkenntnis sein, aber gleich danach befreit sie auch.
du musst nicht jemand sein, der du eigentlich nicht bist.
du musst dich keinen Zwängen unterwerfen,
du kannst mit dir umgehen und mit dir arbeiten.
du kannst dich selbst zulassen.

und du kannst dich lieben lernen.
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xoxo, girl abroad